In der Zeichnung steht Ø 25 H7/g6. Die Bohrung wird also nach H7 gefertigt, die Welle nach g6. Was daraus folgt, steht dort nicht: wie viel Spiel bleibt, ob sich die Teile von Hand fügen lassen und was passiert, wenn jemand g6 durch k6 ersetzt.
Genau diese Umrechnung nimmt der ISO 286 Toleranzrechner ab. Vorher lohnt es sich, zu verstehen, was hinter der Angabe steckt. Der folgende Teil erklärt die Systematik, danach folgt die Beschreibung des Werkzeugs.
Hinweis vorweg: Dieser Text richtet sich an den DACH-Raum und nutzt durchgehend metrische Maße nach ISO 286. US-Quellen arbeiten mit Zoll-Maßen und den Passungssystemen nach ANSI B4.1; diese sind hier nicht anwendbar.
Wie eine Toleranzangabe gelesen wird
Eine Toleranzangabe besteht aus drei Teilen:
Das Nennmaß. Der theoretische Sollwert, im Beispiel 25 mm. Er wird nie exakt getroffen, sondern dient als Bezug.
Der Buchstabe. Er legt fest, wo die erlaubte Abweichung relativ zum Nennmaß liegt. Großbuchstaben stehen für Innenmaße, also Bohrungen. Kleinbuchstaben stehen für Außenmaße, also Wellen. Das ist die häufigste Verwechslung: H7 ist eine Bohrung, h7 eine Welle.
Die Zahl. Sie legt fest, wie breit die erlaubte Abweichung ausfällt. Der Grundtoleranzgrad reicht von IT1 bis IT18. Je kleiner die Zahl, desto enger die Toleranz und desto aufwendiger die Fertigung.
Ø 25 H7 heißt also: Innenmaß, Lage nach H, Breite nach IT7.
Was der Buchstabe macht und was die Zahl macht
Beide Angaben sind unabhängig voneinander, und genau das wird oft vermischt.
Der Buchstabe bestimmt das Grundabmaß, also den Abstand der Toleranzzone zur Nulllinie. Bei H liegt die Zone vollständig oberhalb des Nennmaßes, die Bohrung wird also nie kleiner als 25,000 mm. Bei g liegt sie vollständig darunter, die Welle bleibt immer kleiner als 25,000 mm. Bei p liegt sie oberhalb, die Welle ist also immer größer als das Nennmaß.
Die Zahl bestimmt nur die Breite dieser Zone. IT7 ist bei 25 mm Nennmaß 21 µm breit, IT6 nur 13 µm. Dieselbe Breite gilt für alle Buchstaben. Sie hängt außerdem vom Nennmaß ab: Für ein Maß von 400 mm ist IT7 mit 57 µm deutlich breiter als bei 25 mm.
Daraus folgt eine praktische Regel: Der Buchstabe entscheidet über die Funktion, die Zahl über den Fertigungsaufwand.
Die drei Passungsarten
Erst die Paarung von Bohrung und Welle ergibt eine Passung. Drei Fälle sind zu unterscheiden:
Spielpassung. Die Welle ist in jedem Fall kleiner als die Bohrung. Es bleibt immer Spiel, egal wie die Einzelteile innerhalb ihrer Toleranz ausfallen. Für Lagerstellen, Führungen und alles, was sich bewegen soll.
Übergangspassung. Je nachdem, wie die Teile ausfallen, entsteht entweder etwas Spiel oder etwas Übermaß. Für Verbindungen, die genau sitzen sollen, aber zerlegbar bleiben.
Presspassung. Die Welle ist in jedem Fall größer als die Bohrung. Das Fügen erfordert Kraft, Erwärmen der Bohrung oder Kühlen der Welle. Für Verbindungen, die Drehmoment übertragen und nicht mehr getrennt werden sollen.
An der Angabe selbst lässt sich das ohne Rechnung erkennen: Liegt der Wellenbuchstabe im Bereich a bis h, entsteht mit einer H-Bohrung Spiel. Bei j bis n ergibt sich ein Übergang, ab p aufwärts ein Übermaß.
Ein Beispiel mit Zahlen
Nennmaß 25 mm, also Nennmaßbereich über 18 bis 30 mm. Dort ist IT6 gleich 13 µm und IT7 gleich 21 µm.
| Toleranzklasse | unteres Abmaß | oberes Abmaß | Grenzmaße |
|---|---|---|---|
| H7 (Bohrung) | 0 µm | +21 µm | 25,000 / 25,021 mm |
| g6 (Welle) | -20 µm | -7 µm | 24,980 / 24,993 mm |
| h6 (Welle) | -13 µm | 0 µm | 24,987 / 25,000 mm |
| k6 (Welle) | +2 µm | +15 µm | 25,002 / 25,015 mm |
| p6 (Welle) | +22 µm | +35 µm | 25,022 / 25,035 mm |
Daraus ergeben sich die Paarungen:
| Passung | Ergebnis bei Ø 25 mm | Art |
|---|---|---|
| H7/g6 | 7 bis 41 µm Spiel | Spielpassung |
| H7/h6 | 0 bis 34 µm Spiel | Grenzfall, Spiel mindestens null |
| H7/k6 | 15 µm Übermaß bis 19 µm Spiel | Übergangspassung |
| H7/p6 | 1 bis 35 µm Übermaß | Presspassung |
Die Passungstoleranz, also die Spanne zwischen dem ungünstigsten und dem günstigsten Fall, beträgt in allen vier Fällen 34 µm. Das ist kein Zufall: Sie ist immer die Summe der beiden Grundtoleranzen, hier IT7 plus IT6. Wer die Streuung einer Passung verringern will, muss also an den IT-Graden ansetzen, nicht am Buchstaben.
Einheitsbohrung oder Einheitswelle
Zwei Wege führen zum selben Ziel:
System Einheitsbohrung. Die Bohrung wird immer nach H gefertigt, die Passung über den Wellenbuchstaben eingestellt. In der Zeichnung erkennbar am H auf der Bohrungsseite.
System Einheitswelle. Die Welle wird immer nach h gefertigt, die Passung über den Bohrungsbuchstaben eingestellt.
In der Praxis überwiegt die Einheitsbohrung deutlich. Der Grund ist fertigungstechnisch: Bohrungen werden mit maßgebundenen Werkzeugen wie Reibahlen hergestellt, für jede Toleranzlage bräuchte man ein eigenes Werkzeug. Eine Welle dagegen lässt sich auf jedes beliebige Maß drehen oder schleifen, ohne dass sich am Werkzeug etwas ändert.
Die Einheitswelle bleibt dort sinnvoll, wo gezogenes Stangenmaterial ohne Nacharbeit verwendet wird oder wo auf einer durchgehenden Welle mehrere Bauteile mit unterschiedlichen Passungen sitzen.
Gängige Normpassungen und wofür sie stehen
Die folgenden dreizehn Paarungen decken den größten Teil der Praxis ab. Sie sind im Toleranzrechner als Schnellauswahl hinterlegt.
| Passung | Art | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| H7/g6 | Spiel | Gleitsitz, geführte Teile mit geringem Spiel |
| H7/f7 | Spiel | Laufsitz, Gleitlager bei mäßiger Drehzahl |
| H8/f7 | Spiel | Laufsitz mit größerem Spiel, unkritische Lagerstellen |
| H8/e8 | Spiel | Weiter Laufsitz, längere Lager, Wärmedehnung |
| H9/d9 | Spiel | Grober Laufsitz, einfache Anwendungen |
| H11/d11 | Spiel | Sehr grob, Rohteile, Verschraubungen ohne Führungsaufgabe |
| H7/h6 | Grenzfall | Schiebesitz, von Hand fügbar, ohne merkliches Spiel |
| H7/k6 | Übergang | Fester Sitz, mit leichter Kraft fügbar, zerlegbar |
| H7/m6 | Übergang | Enger fester Sitz |
| H7/n6 | Übergang | Strammer Sitz, überwiegend Übermaß |
| H7/p6 | Press | Presssitz, Fügen unter Kraft oder mit Temperaturunterschied |
| H7/r6 | Press | Kräftiger Presssitz |
| H7/s6 | Press | Schwerer Presssitz, hohe Drehmomentübertragung |
Die Zuordnung der Verwendungen ist eine Einordnung für die Praxis, keine Norm-Vorgabe. ISO 286 legt die Toleranzwerte fest, nicht ihren Einsatzzweck. Bei tragenden oder sicherheitsrelevanten Verbindungen ist die Passung Teil der Auslegung und gehört berechnet, nicht aus einer Tabelle übernommen.
Was eine Maßtoleranz nicht abdeckt
Eine Passung nach ISO 286 sagt nur etwas über das Maß aus, nicht über die Gestalt. Eine Bohrung kann exakt im Toleranzfeld liegen und trotzdem unbrauchbar sein, wenn sie unrund, konisch oder schief ist. Dafür gelten getrennte Regelwerke:
- Form- und Lagetoleranzen nach ISO 1101 für Rundheit, Zylindrizität, Rechtwinkligkeit und Position.
- Oberflächenrauheit nach ISO 21920, dem Nachfolger von ISO 4287 und ISO 4288. Bei einer Presspassung trägt eine raue Oberfläche einen Teil des Übermaßes ab, das Haftmaß fällt kleiner aus als gerechnet.
Auch die Allgemeintoleranzen sind in Bewegung. ISO 2768-2, also der Teil mit den Form- und Lagetoleranzen, wurde 2021 international zurückgezogen und durch ISO 22081 ersetzt; die deutsche Übernahme liegt als DIN EN ISO 22081:2022-10 vor. Diese Norm enthält keine Zahlenwerte mehr, weshalb DIN 2769:2023-04 als nationale Ergänzung mit Tabellen hinzukam. Der Zeichnungsvermerk "ISO 2768-mK" verweist mit dem K-Teil also auf eine zurückgezogene Norm. Für Bestandszeichnungen bleibt der eingetragene Vermerk verbindlich, bei Neukonstruktionen ist eine datierte Angabe oder der Wechsel auf ISO 22081 mit DIN 2769 der saubere Weg.
ISO 286 ist davon nicht betroffen. Einzeln eingetragene Passungsangaben gehen jeder Allgemeintoleranz vor.
Stand der Angaben: September 2026. Normstände ändern sich; vor verbindlicher Verwendung ist die jeweils gültige Ausgabe zu prüfen.
Das Werkzeug
Der ISO 286 Toleranzrechner berechnet Grenzmaße und Abmaße nach ISO 286-1:2010 – direkt im Browser, ohne Installation, ohne Datenübertragung. Die gesamte Berechnungslogik einschließlich aller tabellierten Normwerte steckt in einer einzigen HTML-Datei (55 KB).
Funktionsumfang
Einzeltoleranz
Nennmaß und Toleranzklasse eingeben (z. B. Ø 25 H7) – der Rechner liefert:
- Oberes und unteres Abmaß in µm und mm
- Höchst- und Mindestmaß
- IT-Toleranzwert
- Grafische Darstellung der Toleranzzone
- Detailtabelle mit allen Werten
Unterstützt werden alle Grundabmaße für Wellen (a–h, j–n, p–zc) und Bohrungen (A–H, J–N, P–ZC) einschließlich js/JS (symmetrisch) und j (IT5–IT8).
Passungsrechner
Bohrung und Welle gemeinsam eingeben (z. B. Ø 25 H7/g6) – der Rechner bestimmt:
- Passungsart (Spielpassung, Übergangspassung, Presspassung)
- Größtes und kleinstes Spiel bzw. Übermaß
- Passungstoleranz
- Einzelwerte beider Partner im Vergleich
- Passungsdiagramm mit beiden Toleranzzonen
13 ISO-Normpassungen sind als Schnellauswahl hinterlegt, farbcodiert nach Passungsart.
IT-Tabelle
Vollständige Übersicht aller Grundtoleranzen IT1–IT18 für die 13 Nennmaßbereiche von >0 bis 500 mm. Optional kann ein Nennmaß eingegeben werden – die zugehörige Zeile wird hervorgehoben.
Technische Eckdaten
- Nennmaßbereich: >0 bis 500 mm (13 Hauptbereiche, 25 Unterbereiche)
- IT-Grade: IT1 bis IT18 (vollständig)
- Grundabmaße Welle: a, b, c, cd, d, e, ef, f, fg, g, h, js, j, k, m, n, p, r, s, t, u, v, x, y, z, za, zb, zc
- Grundabmaße Bohrung: Alle korrespondierenden Großbuchstaben, mit Δ-Korrektur für K/M/N
- Sprachen: Deutsch und Englisch, umschaltbar, Sprachwahl wird gespeichert
- Dateigröße: 55 KB, eine einzige HTML-Datei
- Abhängigkeiten: Keine – funktioniert offline in jedem modernen Browser
Datenqualität
Die eingebetteten Toleranztabellen und Grundabmaße wurden systematisch gegen zwei unabhängige Quellen verifiziert:
- DIN ISO 286-2 Auszug (Ganter-Normelemente) – 290 Einzelwerte
- ISO 286-1 Referenztabellen (roymech.org) – 543 Einzelwerte
Gesamtergebnis: 881 Tests bestanden, 0 Fehler.
Bekannte Einschränkungen
- Buchstabe j ist für IT5–IT8 implementiert, außerhalb dieses Bereichs nicht verfügbar.
- js bei ungeradem IT-Wert: mathematische Rundung (±0,5 µm Abweichung möglich).
- Bohrungen K/M/N bei IT ≥ 9: Berechnung basiert auf empirisch abgeleiteter Regel aus ISO 286-2. Für sicherheitskritische Anwendungen in diesem Bereich die Originalnorm konsultieren.
- Selten verwendete Grundabmaße (cd, ef, fg, v, y) sind nur für die Nennmaßbereiche implementiert, in denen sie in der Norm definiert sind.
Benutzung
Datei herunterladen, lokal speichern, im Browser öffnen – fertig. Alle Berechnungen laufen lokal. Es werden keine Daten übertragen.